Datenschutzerklärung 

 Adolf Coltzau

Free counter and web stats

Zugriffszähler seit 22.09.2011

Besucher gesamt bisher

Besucher heute

zur Zeit online

 obige Zahlen gelten für alle Unterseiten dieser Homepage zusammen

Kapitän Adolf Coltzau

Adolf Coltzau in  Band 47 - Band 47Band 47 zusammen mit einem Amerikaner

Herrn Ingo Wichmann aus Delve an der Eider sei Dank für folgenden Text:

Kapitän Adolf Coltzau

geboren am 3. Oktober 1875 in Delve an der Eider,

gestorben am 5. Juli 1950 in Delve, begraben in Delve auf dem Friedhof;

dortselbst sein ungewöhnlicher Grabstein mit dem Bild eines Segelschiffes und der Inschrift:

„Ich habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält!”

Aufzeichnungen von Lehrer und Kantor Peter Petersen:

Adolf Coltzau ist wohl der größte Repräsentant der Delver Schiffskapitäne gewesen.  Er wurde am 3. Oktober 1875 in Delve geboren.  Als echter Seemann hat er es verschmäht, auf Dampfern zu fahren, obwohl er auch sein Examen für Dampfer gemacht hatte.  Sein ganzes Leben fuhr er nur auf großen Viermast-Segelschiffen, und er hat dabei nicht weniger als zehnmal die Erde umsegelt.

Adolf Coltzau lernte zunächst - wie sein älterer Bruder Johann - bei seinem Onkel auf der „NYMPHE” und kam dann zu Kapitän Hans Hansen, Delve, auf die „HELENE”.  Dazwischen fuhr er mit seinem Vater und Bruder Wilhelm auf Störfang vor der Eidermündung.  Dann ging er zum Kapitän Peter Hansen, einem Bruder von Hans Hansen, auf einen Tonnenleger und von da wieder auf die HELENE zu Kapitän Hans Hansen.  Sie kamen nach Hamburg, wo er von Kapitän Hans Hansen abgemustert wurde.

Hier in Hamburg bekam Adolf Coltzau den Kontakt zu den Weltmeeren.  Er machte zunächst sein Steuermannsexamen und kam als Steuermann auf die „MARCO POLO”.  Von 1895 bis 1896 machte er seine erste Weltreise.  Zurückgekehrt wurde er Steuermann auf dem großen Segler „VASCO DA GAMA” und unternahm von 1897 bis 1900 zwei Reisen, davon eine Weltreise.

1900 bestand Adolf Coltzau sein Kapitänsexamen (Kapitän auf Großer Fahrt).  Er wurde Kapitän auf dem Schiff „CAESAREA” und unternahm die dritte Weltreise.  Als er die CAESAREA in Plymouth (Südengland) übernahm, waren auf dem Schiff als Matrosen drei Grafen und ein Freiherr: Felix Graf von Luckner, Graf Kalkreuth, Graf Kirchberger und Freiherr von Röhl.  So wurde Adolf Coltzau der Ausbilder des bekannten Felix Graf von Luckner.

1902 wurde Kapitän Coltzau von der Aktiengesellschaft Alster in Hamburg gerufen und sofort 1. Steuermann auf dem Vollschiff „ALSTERTAL”.  

Er fuhr auf folgenden Schiffen:

MARCO POLO 1895 bis 1896 - 1. Weltreise

VASCO DA GAMA 1897 bis 1899 - 2. Weltreise

VASCO DA GAMA 1899 bis 1900

anschließend Kapitänsexamen.

CAESAREA 1900 bis 1902 - 3. Weltreise

ALSTERTAL 1902 bis 1903 - 4. Weltreise (Südamerika)

ALSTERTAL 1903 bis 1904 - 5. Weltreise (Australien)

„ALSTERSCHWAN” 1904 bis 1912 - 6., 7., 8. Weltreise

„ALSTERBERG” 1912

„WALKÜRE” 1914

Die WALKÜRE, 5250 t groß, wurde im 1. Weltkrieg in Mexiko sieben Jahre interniert und nach Kriegsende an die USA ausgeliefert.  Adolf Coltzau kehrte 1921 nach Deutschland zurück und wurde von seiner Familie und von Freunden und Nachbarn herzlich empfangen.

„HARALD” 1921 bis 1925 - 9. und 10. Weltreise

„VATERLAND” 1926 bis 1929 im Dienst des Grafen von Luckner nach USA  (siehe auch Walter Giermann in Band 4 dieser maritimen gelben Buchreihe!).

 Graf Luckner mit seiner Offizierscrew

Zweiter von links Kapitän Adolf Coltzau,

ganz links Erster Offizier Walter Giermann

Die ALSTERBERG war ebenso wie die ALSTERSCHWAN eine Viermastbark.  Das Schiff ging 1912 an die Fa. Fölsch und Compagnie und erhielt den Namen WALKÜRE.  Die Aktiengesellschaft Alster entließ Adolf Coltzau mit einem Dankschreiben, in dem es hieß:

Wir können nur Lobendes über Kapitän Coltzau bezeugen.  Als Seemann sowie als Mensch verdiente er sich die Achtung seiner Vorgesetzten und seiner Untergebenen.  Mit herzlichem Dank für seine der Reederei geleisteten Dienste wünschen wir Kapitän Coltzau gleich glückliche Fahrt auf den Schiffen seiner neuen Reederei.

gez. O. Stahmer

Mit der WALKÜRE unternahm Coltzau drei Reisen nach Mexiko und nach Südamerika.  Die WALKÜRE war ein stolzes, modernes Segelschiff.  Sie hatte 2.000 t Wasserballast.

Auf der Reise im Jahre 1914 überraschte ihn der Weltkrieg.  Die WALKÜRE blieb im Hafen von Santa Rosalia in Mexiko liegen und wurde mitsamt der Mannschaft von 1914 bis 1921 interniert.  Alle hatten es gut in Mexiko.  Mexiko war im 1. Weltkrieg deutschlandfreundlich.  Man unternahm sogar kleine Reisen ins Landesinnere.  Nach dem verlorenen Krieg schlug auch in Mexiko die Stimmung um.  Adolf Coltzau wunderte sich selbst, dass die Stimmung in einem Land so rasch wechseln kann.  1921 wurde die schöne WALKÜRE an die USA ausgeliefert.  Später hat Kapitän Coltzau sein Schiff auf seiner Reise mit dem Grafen von Luckner 1927 an der Westküste der USA bei San Franzisko noch einmal wieder gesehen.  Schon aus weiter Ferne erkannte er seine stolze Viermastbark WALKÜRE.  Jetzt trug sie natürlich einen anderen Namen.

Die Fa. Fölster und Compagnie schrieb am 5. Oktober 1921 folgendes:

„Durch die Ablieferung unseres Schiffes infolge des Friedensvertrages kam unsere Reederei vorläufig zum Stillstand.  Wir hatten daher leider auch keine Beschäftigung mehr für Kapitän Coltzau.  Über Herrn Coltzau können wir nur Lobendes sagen.  Er ist ein hervorragender Seemann, der jeder Situation gewachsen ist.  Er hat für unsere Reederei mehrere Reisen zu unserer Zufriedenheit ohne größere Havarie gemacht.  Hervorzuheben ist seine unerschütterliche Ruhe, die besonders in der heutigen Zeit von günstigem Einfluss auf die Gestaltung des Verhältnisses zwischen Schiffsleitung und Mannschaft sein kann.  Wir haben infolgedessen auch niemals Klagen über Missfälligkeiten unter den Leuten gehabt, solange Kapitän Coltzau unsere WALKÜRE führte.  Ebenso hat Kapitän Coltzau unser vollstes Vertrauen verdient während der Zeit, wo er unsere Interessen im Ausland wahrzunehmen hatte.  Ehrlichkeit, Sparsamkeit, Unbestechlichkeit und Aufrichtigkeit, verbunden mit größter Pflichttreue, sind die Grundzüge seines Charakters.  Wir möchten noch besonders hervorheben, dass es für uns eine große Beruhigung war, unser Schiff während der langen durch den Weltkrieg verursachten Liegezeit in Santa Rosalia einem Mann von den Eigenschaften des Herrn Kapitän Coltzau anvertraut zu wissen.  Wir lassen Kapitän Coltzau aus unseren Diensten scheiden mit dem aufrichtigen Wunsche, dass ihm bald Gelegenheit geboten werden möge, sich wieder in seinem ans Herz gewachsenen Berufe zu betätigen.

gez. Fölster

1921 kehrte Adolf Coltzau nach langem Fortsein, welchem er in neun Weltreisen die Weltmeere durchkreuzt hatte, endlich wieder in sein Heimatdorf Delve an der Eider zurück.  Alle Dorfbewohner nahmen freudigen Anteil an seiner glücklichen Rückkehr.  Leider war seine alte Mutter während des Weltkrieges gestorben, ebenso sein ältester Bruder Johann, Hafeninspektor in Hamburg.  Sein alter Vater aber lebte noch.  

Aber schon im Oktober 1921 wurde Adolf Coltzau Kapitän der Viermastbark HARALD, 3.200 t groß.  Mit diesem Schiff unternahm er seine 9. und 10. Weltreise.  Besonders schwierig gestaltete sich die 10. Weltreise.

Die 10. Weltreise des Kapitäns Adolf Coltzau

 

               Erzählt von einem Besatzungsmitglied der HARALD

Anmerkung: Bei den Ortsangaben mit „?” konnte die richtige Schreibweise leider nicht überprüft werden!

 

Die Reise begann am 28. Juni 1923.  Das Schiff hatte Gips geladen nach Chinwangtoa (chinesisch = Qinhuangdao), Nordchina.  Bis zum Kap der Guten Hoffnung verlief die Fahrt glücklich.  Von dem Kap der Guten Hoffnung bis nach Neu-Amsterdam setzte schlechtes Wetter ein.  Die Insel selbst sahen wir nicht, da das Wetter zu diesig war.  Die See verlief sich von da ab mehr und mehr und mit günstiger Brise steuerten wir auf Lombok zu.  Die zerfetzten und weggeflogenen Bramsegel wurden ausgebessert und ausgewechselt.  Bald hatten wir den Passat wieder und alles Üble der letzten Zeit war vergessen.  Ungefähr 60 Seemeilen unter der Küste von Australien segelten wir längs.  Da unser Trinkwasser sehr zur Neige ging, hieß es, dass wir in Niederländisch-Indien Wasser nehmen würden.

Nach langer Zeit, am 15. Oktober abends, erblickten wir zum ersten mal wieder Land.  Vor uns lag die Insel Lombok.  Wir mussten die Nacht jedoch noch vor der Alas-Straße kreuzen.  Am nächsten Tag liefen wir mit achterlicher Brise in die Straße ein.  Hohe, mit Palmen bewachsene Berge zu beiden Seiten und dazwischen das tiefblaue Wasser, in dem sich die Sonne spiegelte, boten ein hübsches Bild.  Nachmittags waren wir nicht mehr weit ab von einer kleinen Ansiedlung.  Wir waren dicht unter Land und warfen Anker.  Noch als wir in den Toppen damit beschäftigt waren, die Segel zu bergen, kam eine Abordnung von Land an Bord, die dem Kapitän Erlaubnis gab, Wasser zu nehmen.  Zunächst wurde aber erst einmal geschlafen.  Einer wurde Wachmann und wir schliefen die erste richtige Nacht seit Hamburg durch.  Morgens um 7 Uhr setzten wir die Barkasse außenbords und machten mit zwei Mann und dem 1. Offizier eine kleine Probefahrt um das Schiff.  Der Kapitän, der 2. Offizier und sechs Mann gingen von Bord.  Nachmittags kehrten sie zurück, schwer beladen mit Kokosnüssen und Bananen.  Noch am selben Abend fuhren auch wir an Land.  Es war jetzt 8 Uhr abends.  Die Malaien standen dicht an der Brücke.  Mit Gesang schleppten wir Wasser aus einem Brunnen.  Die Eingeborenen, die gewohnt waren, ihre Arbeit still zu verrichten, sahen uns erstaunt zu.  Zwischendurch schmausten wir Bananen und Kokosnüsse und freuten uns, dass wir festen Grund unter den Füßen hatten.  Gegen 10 Uhr kam noch unsere Gig mit dem 1. Offizier an Land, der zur Auffrischung für uns Cognac mitbrachte.

Nachts um 3 Uhr kamen wir an der HARALD wieder an.  Das Wasser wurde noch übernommen, und dann gingen wir erst einmal in die Koje.  Früh am nächsten Morgen fuhren wir wieder mit unserem Schleppzug los, um Wasser zu holen.  Die Gig folgte uns in kurzem Abstand.  Wir hatten uns mit Proviant für den Tag versehen.  An der Brücke standen wie am vorigen Abend wieder Malaien.  Am Brunnen aßen wir erst einmal Frühstück.  Dann machten wir einen kleinen Ausflug über die Insel, während die Malaien die Fässer füllten und sie ins Boot brachten.  Wir sahen in einer Mais-Stampferei, wie die Frauen die dicken Bambusstäbe handhabten und zogen dann mit Gesang weiter durch das kleine Dorf.  Für 10 Deutsche Reichsmark erhielten wir eine ganze Bananenstaude (Inflation!).  Auch Zucker und andere Sachen tauschten wir ein.  Auf unserem Ausflug kamen wir auch an einer kleinen Kopra-Stampferei vorbei, wo die Kopra in Säcke gefüllt wurde.  Viele Säcke trugen die Aufschrift „Hamburg–Bremen”.  Auf unserem weiteren Weg durchquerten wir einen Bambuswald und einen reißenden Fluss.  In einem Palmenhain hielten wir kurz Rast.  Einer von uns bestieg eine Kokospalme und bombardierte uns mit Nüssen.  Die Milch aus den Nüssen wurde getrunken.  Wir zogen dann dem nahen Strand zu, waren aber ziemlich weit von der Anlegebrücke entfernt und durch einen seichten Fluss von ihr getrennt.  In dem Wasser badeten wir so recht nach Herzenslust.  Mit Gesang zogen wir dem Strand und der Brücke zu.  Um 6:00 Uhr waren wir wieder an Bord und nahmen Wasser über und setzten die Boote ein.  Ein deutsch sprechender Malaie kam noch an Bord und brachte uns Bananen und Kokosnüsse mit.  Unsere eiligst geschriebene Post versprach er zu besorgen.

Am nächsten Tage, dem 19. Oktober 1923 lichteten wir wieder den Anker.  Ein günstiger Wind brachte uns schnell in die Makassar-Straße.  Durch diese beabsichtigten wir zu fahren, da wir in dieser nach der Karte um diese Jahreszeit guten Strom haben sollten.  Am nächsten Tag passierten wir die Poposan-Inseln (?)*. Wir kamen tagsüber immer etwas vorwärts, trieben aber des Nachts immer wieder zurück.  Gewitter hatten wir fast jede Nacht.  Eines Tages näherten sich vom Lande her drei Boote.  Da es in der Gegend noch genug Piraten gab, trafen wir Vorbereitungen, um nicht überfallen zu werden.  In der Nähe des Schiffes drehten die Boote plötzlich bei und entpuppten sich als harmlose Fischerboote mit Auslegern.  Noch am selben Abend begegneten wir dem holländischen Passagierdampfer „ALDEBARAN”.  In den Gewässern hatten sich viele Muscheln an dem Schiff angesetzt, die wir mit langen Schrapern abzukratzen versuchten.  Nachdem wir uns 14 Tage lang vergeblich bemüht hatten, die Durchfahrt durch die Makassar-Straße zu erzwingen, kehrten wir am 3. November 1923 wieder um.  Wir beabsichtigten jetzt, um die Südspitze von Celebes herum durch die Molukkensee zu fahren.  Da wir widrigen Wind hatten, mussten wir kreuzen.  Zum zweiten Mal passierten wir die Inseln Tonge (?), Karank (?), Dewakang und Taka Rewataya.  Zwei Tage hatten wir Tyneum (?) in Sichtweite.  Alle Stunde wurde gelotet.

Am 7. November erreichten wir die Südspitze von Celebes.  Zwei Tage trieben wir etwa 30 Seemeilen vor der Selayar-Straße, weil wir nicht durch diese kommen konnten.  Erst in der dritten Nacht hatten wir günstigen Strom, und ehe wir uns versahen, waren wir an den fruchtbaren Inseln Pamatala (?) und Satorang (?) vorbei durch die Straße getrieben.  Wir bemühten uns bei ruhiger Fahrt, das Schiff weiter von Muscheln zu befreien.  Hier waren viele Haie.  Da diese bei Geräuschen im Wasser nicht an das Schiff kamen, nutzten wir die Gelegenheit, während des Schrapens abwechselnd zu baden.  Später wollte ein Leichtmatrose, Broderius aus Süderstapel, auf eigene Faust ein Bad nehmen.  Er fierte einen Bootmannsstuhl unterm Klüverbaum zu Wasser und rutschte am Tau hinunter.  Kaum war er im Wasser, als die Obenstehenden sahen, dass ein Hai pfeilschnell herankam.  Broderius erhob ein großes Geschrei, wodurch wir auf die Back eilten.  Der Hai schwamm unter dem Bauch des Badenden, der ihn mit den Händen in die Tiefe drückte und dadurch Zeit gewann, den Bootmannsstuhl zu erreichen.  Schnell holten wir ihn hoch.  Er war ganz weiß und erst nach einer Tracht Prügel zirkulierte sein Blut wieder regelmäßig.  Später wurde eine Badewanne angefertigt, die immer voll Wasser gehalten wurde.  War es einem zu warm, so stieg man einige Augenblicke in das kühle Wasser und war wieder frisch.

An den Inseln Butung, Hegadis (?) und Moema (?) an Backbord vorbei kamen wir langsam vorwärts.  Muntere Delphine umspielten das Schiff.  Nachdem wir die Butung-Passage, wo es wieder erdrückend heiß war, passiert hatten, waren wir endlich in der Molukkensee.  Hier war es schon freier, und weniger Klippen und Untiefen bedrohten uns.  Die Toppen wurden überholt und ausgebessert.  Nachdem wir die Molukkensee durchfahren hatten, trieben wir am 3. Dezember 1923 schon acht Tage vor der Pitts-Passage.

Unser Kartoffelvorrat war erschöpft, und unser Wasser ging wieder stark zur Neige.  Dauernd waren wir in Sicht von Land, kamen aber nicht heran, um unseren Wasservorrat zu ergänzen.  Der Strom trieb uns hin und her, und richtige Brise zum Vorwärtskommen wollte nicht aufkommen.  In der drückenden Hitze konnte man des Nachts nicht schlafen und irrte umher mit durstigen Lippen.  Am Tage ging es noch eher, wenn noch Kaffee oder Tee da war, aber nachts war kein Tropfen mehr zu finden.  Die Stimmung an Bord wurde brummiger.  Alles, was zu erzählen war, war schon vier- bis fünfmal durchgesprochen.  Manche von der Besatzung waren schon launisch und gereizt, doch jeder war so vernünftig, die Schwächen der anderen zu übersehen, sonst hätten sich wohl Balgereien ergeben.  Der „Alte”, Kapitän Coltzau, bereitete der Mannschaft in dieser Zeit eine große Freude, indem jeder eines Tages zu Mittag eine Flasche Bier erhielt.  In einem kleinen Kostümfest an Deck tollten die Männer ihre Freude über dieses Ereignis aus.

Nachdem wir die Pitts-Passage (?) mit ihren Pirateninseln endlich glücklich passiert hatten, fasste uns der Strom, und in zwei Tagen standen wir vor der Gasee-Straße (?), dem Eingang der Djailolo-Passage.  Hier kam wieder Strom von vorne, und wir saßen wieder wie die Katze vorm Loch.  Eines Nachts kam eine Gewitterböe auf. und ehe wir uns versahen, trieb die HARALD mit vollen Segeln auf ein felsiges Eiland zu.  Einige hundert Meter vor einer steilen Felswand luvte das Schiff gottlob und konnte sich frei segeln.  Als es aufklarte, hatten wir die Straße schon passiert.  Ein frischer Luftzug trieb uns gen Norden, und schon hofften wir, dass er uns durch die ganze Passage begleiten würde.  Doch es kam anders.  Am nächsten Tag war es wieder totenstill.  An Back- und Steuerbord ragten überall Felsen aus dem Wasser heraus, und nur vor uns war freies Fahrwasser.  Da der Strom aber von Norden nach Süden ging, so trieben wir beträchtlich wieder zurück.  Endlich, nach langen gefährlichen Kreuzen, war die Mitte der Passage erreicht, als es wieder abflaute und das Schiff wieder zurücktrieb.  Nach eifrigem Loten fanden wir ein Flach zum Ankern.  Unser Wary-Anker rauschte in die Tiefe.  Zum zweiten Mal seit Hamburg lagen wir vor Anker.  Die Segel blieben hängen, da wir hofften, dass in der Nacht noch eine Brise kommen würde, und sie kam auch.  Eine Gewitterböe hatte uns zu ihrer Zielscheibe ausgewählt.  Der Strom setzte mit etwa sechs Sekundenmetern ein, und wild zerrte das Schiff am Anker.  Der Wier summte und summte in immer helleren Tonarten und brach dann.  In der Böe alle Segel back und sechs Sekundenmeter Strom von vorne liefen wir gute Fahrt achteraus auf die Korallenriffe zu, wo die Brandung schäumte.  Doch kurz davor fassten die Segel Wind, und bald stand das Schiff im Strom.  Nach einer weiteren Minute machten wir langsam Fahrt voraus, und die Gefahr war vorüber.  Durch günstigen Wind standen wir in den nächsten Tagen vor der Djailolo-Passage.

Da unser Trinkwasser sehr zur Neige ging und wir selbst bei halben Rationen nicht sicher bis Chinwangtao damit reichen würden, liefen wir die Insel Gede (?) an, um dort unseren Wasservorrat zu ergänzen.  Die ganze Insel war ein einziger Urwald, in dem Wildschweine und Affen ihr ungezwungenes Leben führten.  Nur an der Küste hatten sich eingeborene Fischer angesiedelt, die auch der Perlenfischerei und dem Schildkrötenfang nachgingen.  Keiner der Einwohner konnte eine europäische Sprache.  Mittels Zeichen und Zeichnungen gelang es dem 1. Offizier endlich, ihnen klar zu machen, was wir wollten.  Wasser war genügend vorhanden.  Mit Hilfe der Eingeborenen brachten wir bis 6 Uhr abends an die 60 Fässer an Bord.  Mit den Booten konnten wir nicht bis an das Land heranfahren, da alles voller Korallen und der Strand viel zu flach war.  Wir mussten das Wasser über die Korallen hinweg tragen.

Am Tage vor dem Weihnachtsfest hievten wir den Anker.  Kurze Zeit wehte der Wind überlandig, doch sprang er bald um, und eine starke Regenböe brachte uns wieder in die Bucht.  Wir gingen vor Anker und rüsteten für Weihnachten.  Es wurde gescherzt, Geschichten erzählt, Weihnachtslieder gesungen und mein Weihnachtsbrief vorgelesen.  Am Mittag des nächsten Tages wurde der Anker wieder gelichtet.  Ein leiser Wind wehte vom Lande her.  Wir setzten daher schon in der Bucht die Segel.  Plötzlich kam eine Böe auf, erfasste uns und trieb uns in fliegender Eile aufs Land zu.  Kurs konnten wir nicht halten, da der Wind wieder aus der Richtung kam, in die wir wollten.  Fast schien es, als wollten wir unseren verlorenen Wary-Anker wiederholen.  Die Stelle, wo er lag, bekamen wir schnell wieder in Sicht.  Djailolo-Leute, die uns schon lange gesehen hatten, kamen herangerudert, um Tauschgeschäfte zu machen.  Wir tauschten Hartbrot gegen Früchte ein.

Endlich, am 31. Dezember 1923, fuhren wir mit vollen Segeln und einer großen Fahrt durch die Straße hindurch.  Noch vor Dunkelwerden war das Land außer Sicht.  Der Passat brachte uns nun weiter nach Norden.  Das Essen mundete uns immer weniger.  Vor Flauheit lagen wir abwechselnd ein paar Tage auf dem Krankenbett.  Ein Kamerad lag wegen Skorbut und Beriberi danieder.  Das Blut war bei uns allen so schlecht geworden, dass die leichtesten Verwundungen, die wir uns bei Gebe an den Korallen geholt hatten, nicht heilen wollten.  Bei einigen war das Zahnfleisch angeschwollen.

Ende Januar hatten wir im Gelben Meer wieder einen Orkan zu bestehen.  Am 1. Februar 1924 lagen wir vor der Mündung des Jangtsekiang.  Lange kreuzten wir im Gelben Meer umher und warfen endlich am 20. Februar 1924 auf der Reede vor Chingwantao Anker.  Der Vertreter unserer Reederei, Herr Günther, begrüßte uns auf das freundlichste.  Er brachte uns Zigarren und Bier an Bord.  „It is a long way to Chingwantao.  It is long to go!”  In der Regel wird die Reise von Hamburg dorthin in etwa 150 Tagen zurückgelegt.  Wir benötigten 237 Tage, weil Wind und Strömung für uns ungünstig waren.

Die Rückfahrt der HARALD ging quer über den Stillen Ozean nach Südamerika.  In Taltal, Chile, wurden 3.500 t Salpeter geladen.  Die Fahrt ging um das Kap Horn durch den Atlantik wieder zurück nach Hamburg.

Vier Jahre hatte Kapitän Coltzau die große Viermastbark HARALD geführt.  Die Nordische Reederei schrieb:

Während dieser Zeit hat Herr Kapitän Coltzau mehrere Reisen zu unserer vollsten Zufriedenheit gänzlich ohne Havarie gemacht und hat durch seine Pflichttreue, indem er stets nur unsere Interessen im Auge hatte, unser ganzes Vertrauen besessen.  Als Seemann und auch als Mensch können wir über Herrn Kapitän Coltzau nur das Allerbeste sagen.  Durch seine vorzüglichen Charaktereigenschaften hat er sich Achtung und Vertrauen seiner Untergebenen erworben, so dass wir niemals Klagen von Seiten der Besatzung hatten.  Die augenblicklichen schlechten Verhältnisse zwangen uns, den Segler HARALD zu verkaufen, und somit hatten wir leider keine weitere Beschäftigung für Herrn Coltzau.

Mit Bedauern sehen wir Herrn Coltzau aus unseren Diensten scheiden und wünschen ihm für seine Zukunft die besten Erfolge.

gez. Nordische Reederei, Hamburg

 

Lesen Sie im Buch weiter!

nur noch bei amazon oder als ebook

Reste - Bestellungen

 


 Schiffsbilder bei goole


    Seefahrtserinnerungen   -  Seefahrtserinnerungen    -  

Informationen zu den maritimen Büchern des Webmasters finden Sie hier:

zur gelben Zeitzeugen-Bücher-Reihe des Webmasters:

maritime_gelbe_Buchreihe_google

© Jürgen Ruszkowski

rubuero.jpg


zur gelben Zeitzeugen-Bücher-Reihe des Webmasters:

maritime_gelbe_Buchreihe_google

© Jürgen Ruszkowski


 Maritime books in German language:  fates of international sailors

Los libros marítimos en el idioma alemán: los destinos de marineros internacionales:

zu meiner maritimen Bücher-Seite

navigare necesse est!

Maritime books in German language: fates of international sailors

Los libros marítimos en el idioma alemán: los destinos de marineros internacionales:

Diese Bücher können Sie direkt bei mir gegen Rechnung bestellen: Kontakt:

Zahlung nach Erhalt der der Ware per Überweisung.

Informationen über die Buchpreise finden Sie auf der Bücher-Seite

Zahlung nach Erhalt der der Ware per Überweisung.

 

Meine Postadresse / my adress / Los orden-dirección y la información extensa:

Jürgen Ruszkowski,     Nagelshof 25,   

D-22559 Hamburg-Rissen,    

Telefon: 040-18 09 09 48  - Anrufbeantworter nach 30 Sekunden -

Fax: 040 - 18 09 09 54

Bestellungen am einfachsten unter Angabe Ihrer Anschrift per e-mail: Kontakt

 

 Bücher in der gelben Buchreihe" Zeitzeugen des Alltags" von Jürgen Ruszkowski:
Wenn Sie an dem Thema "Seeleute" interessiert sind, gönnen Sie sich die Lektüre dieser Bücher und bestellen per Telefon, Fax oder am besten per e-mail: Kontakt:

Meine Bücher der gelben Buchreihe "Zeitzeugen des Alltags" über Seeleute und Diakone sind über den Buchhandel  oder besser direkt bei mir als dem Herausgeber zu beziehen, bei mir in Deutschland portofrei (Auslandsporto)

Bestellungen am einfachsten unter Angabe Ihrer Anschrift per e-mail: Kontakt 

Sie zahlen nach Erhalt der Bücher per Überweisung.

Maritime books in German language:  fates of international sailors

Los libros marítimos en el idioma alemán: los destinos de marineros internacionales:

Los libros en el idioma alemán lo enlatan también, ( +  el extranjero-estampilla), directamente con la editor Buy de.  


maritime_gelbe_Buchreihe_google

Bestellungen und Nachfragen am einfachsten über e-mail:  Kontakt

 

  erwähnte Personen

Leseproben und Bücher online

 

maritimbuch.de

maritimbuch.klack.org/index

Juergen Ruszkowski_Hamburg-Rissen.klack.org
www.seamanstory/index

seamanstory.klack.org/index

Jürgen Ruszkowski npage
 

seemannsschicksale.klack.org

Jürgen Ruszkowski google
 

seeleute.klack.org

theologos.klack.org

seefahrtserinnerungen google

seefahrer.klack.org Theologisches bei Jürgen Ruszkowski
seefahrtserinnerungen npage seefahrtserinnerungen klack.org Diakone Rauhes Haus_/klack.org
salzwasserfahrten_npage   Rauhes Haus 1950er Jahre_google

maritime_gelbe_Buchreihe_google

hafenrundfahrt.klack.org

Rauhes Haus 1950er Jahre npage

sites.google.com/site/seefahrtstory

schiffsbild.klack-org

Rauhes_Haus_Diakone_npage
seeleute_npage

schiffsbild.npage
 

Rauhes Haus Diakone google

  schiffsbild_google

seemannsmission npage

seamanstory_google zeitzeugenbuch.wb4.de

seemannsmission.klack.org

Zur See_npage

zeitzeugen_1945_npage

seemannsmission google

maritimbuch/gesamt

zeitzeugen_1945_google

seamanstory.klack.org/gesamt

maririmbuch/bücher

zeitzeugenbuch.klack.org

ine google-bildgalerien

maritimbuch.erwähnte Schiffe

subdomain: www.seamanstory.de.ki Monica_Maria_Mieck.klack.org/index


Diese website existiert seit dem 22.09.2011 -  last update - Letzte Änderung 08.07.2018 09:08:05

Jürgen Ruszkowski ©   Jürgen Ruszkowski  © Jürgen Ruszkowski